15. -17. Juni – Skarsvag, Kirkeporten und Nordkapp

15. -17. Juni – Skarsvag, Kirkeporten und Nordkapp

18. Juni 2022 Aus Von admin

4 Uhr morgens, mitten in der Nacht, wir müssen aufstehen, duschen usw. Um 5:05 Uhr legt das Schiff in Hammerfest an und Hurtigruten ist sowas von pünktlich, ich weiß nicht, was die machen würden, wenn jemand verschläft. Will ich auch gar nicht, denn wir sind pünktlich. Diesmal darf Günter den Bulli selber rausfahren.

Die Meridiansäule, die wollte ich unbedingt sehen.
Ein Pärchen sitzt da in der Kälte und traut sich zu fragen, ob wir sie zum Busterminal fahren könnten. Jawoll, wir konnten. Nächster Wunsch von mir auf dem Hausberg am Aussichtspunkt frühstücken, machen wir, aber mit Kaffee und Baguette aus der Tankstelle und im Auto -wie schon gesagt kalt und viel Wind.

Wir gehen kurz rum und entscheiden dann einkaufen zu gehen und ab in den Norden Richtung Nordkapp.

Da steht er unser kleiner Bulli.
Ooh, da Rentiere. Laufen so einfach hier in der Gegend rum, mitten im Ort. Das wäre, als würden bei uns die Schafe frei umher laufen.

Die jungen Geweihe sind noch durchblutet und weich, da soll es wohl auch mal jucken.

Hammerfest liegt auf der Insel Kvaloya und wir überqueren die imposante Brücke über den Sund.

Ich wollte diese Handyhalterung an meiner Seite nicht, stelle aber fest, dass man damit doch sehr gut aus dem Auto heraus fotografieren kann, 0:1 für mich mal wieder.
Nordnorwegen ist Saami-Land, das wusste ich zwar, aber bewusst war es mir nicht. Die Ortsnamen sind alle dreisprachig, norwegisch, samisch kvenisch. Die Kvener sind eine anerkannte Minderheit im Norden, von denen es ca 30.000 Menschen gibt. Ein Bild mach ich später noch, wird dann hier eingefügt.
Wir fahren durch Birkenwaldgegenden, solange bis es keine Bäume mehr gibt. Ein ganz komisches Gefühl, wenn einem dies bewußt wird. Es geht dann immer an der Küste entlang und die Felsen sind geschichtet, man könnte meinen es wäre Schiefer.

Tunnel, wieder Tunnel und nochmal Tunnel, bis auf einen gut beleuchtet und breit genug für Flachlandtiroler.

Kein schönes Fahren so duster. Es wird aber ein neuer Tunnel gebaut, nur wir werden die Fertigstellung nicht mehr erleben.


Jurten für die Urlauber, oder sagt man besser für die Reisenden?
Wir wollten auf den Kirkeporten CP. Es gab noch weitere Möglichkeiten, aber diesen hatte ich ausgesucht und das war gut. Sehr netter Betreiber, alles sehr sauber und ein traumhafter Standplatz, nur leider mit 4° – 6°C doch arg kalt. Was solls, wir haben einen kleinen Keramikheizer und der ist gut. Bevor wir mutig im oberen Bett schlafen (brrr!) gehen wir noch in den Ort und schauen uns neugierig eine Fischanlandung und auch den Riesenfang einer Männergruppe aus Sachsen an – ein Heilbutt war an der Angel. Sowas haben wir noch nicht gesehen, ein Riesentier.

Mal wieder morbider Charme, so etwas fotografiere ich gerne, übrigens seit einiger Zeit nur noch mit meinem Handy, besser kann ich es mit einem Fotoapparat auch nicht.
Hauptfänge sind wohl Kabeljau und Königskrabben. Mit letzteren wird ein ordentliches Geschäft gemacht. Ich hab sie auf der Hurtigrute probiert, ist nicht meins.
Die erste Nacht unterm Bullizeltdach war gut, wir hatten draußen 4°C, dunkel wurde es nicht und gefroren haben wir auch nicht. Aber hey, wir haben geschummelt: 2 Bettdecken, 2 Vliesdecken und Strümpfe an. So’n bisschen Weicheier sind wir dann ja doch. Der Aufstieg in die „0bere“ Etage eine Schau, man gut, uns kann keiner ins Auto gucken, das wäre Slapstick vom Feinsten. Wir mussten noch im Liegen lachen.

Beim Abwasch hab ich dann in der Küche noch Katrin und Tim kennengelernt. Tim kommt bald zur Schule und tourt mit seiner Mama etliche Wochen durch Norwegen. Der kleine Mann ist die Schau, er will Paläontologe werden und beharrte darauf, dass die verrostete Reißzwecke der Nagel vom Schuh eines Römers wäre, der hierwmal in der Gegend war. Man konnte ihn nicht davon abbringen und dann war es eben so. Seine Mama Katrin hat einen interessanten Reiseblog www.frischluft-kid.de , wer Lust hat kann ja mal da reinschauen.

Am 16. wollten wir zum Kirkeporten eine merkwürdige Felsformation am Wasser, wie man sie in Island alle Nase lang sieht, hier aber eben nicht so oft. Zuerst ging es ziemlich steil aufwärts, aber dann war es ganz gemächlich. wieder einmal wurden wir von jungen Dingern überholt mit der Gewissheit, dass sie auch mal langsamer werden.

Der Kreuzfahrt-Tourismus ist emittlerweile ein nicht unwichtiger Bestandteil der Einwohner geworden. Täglich fahren mehrere Busse an und dann gehts einmal rund oder auf Bootstou oder Königskrabben essen.

Genial dieser Blick, für mich immer wieder Genuß pur.

Für uns sind diese Verwerfungen kaum nachzuempfinden. Wie passiert soetwas? Nur durch Erdbewegung vor tausenden von Jahren.

Da ist sie, die Kirchentür. Wir entscheiden nicht bis runter zum Tor zu gehen, es ist matschig und wir wissen ja – alte Leute……

Ganz schön pustig da oben, böse Zungen behaupten „so siehst du doch immer aus“.

Wir haben den See vor unserem Bus Three-finger-lake getauft.
Kurz vor dem CP waren sie dann wieder da, die Rentiere. Die liefen so einfach direkt am Auto vorbei und wären es keine Fluchttiere, sie hätten wohl auch in den Bulli reingeschaut. Man musste schon sehr leise sein und wenig Bewegung machen, wenn man sie aufs Bild bekommen wollte.

Die haben es mir angetan, fehlen nur noch Elche und Moschusochsen, aber die kommen ja noch.
Der Rest des Tages war Faulheit und abends sind wir beim CP-Betreiber essen gegangen – Rentiergulasch. Die zweite Nacht unterm Bullizelt – etwas kälter, aber man härtet ja ab.
Am 17. Juni wollten wir dann zum Nordkapp. Ist egal wie das Wetter sein würde, wenn man schon mal in der Nähe ist, warum nicht.

Nun, der Himmel klarte etwas auf und so richtig schlecht war es nicht. Der Nordkapp-Zauber ist bei uns aber nicht übergesprungen, ich kannte das ja schon. Nur mal so:
Parken dort ohne alles, heißt nur draußen rumlaufen – kostenlos
In die Nordkapphalle gehen, Film ansehen, Toilette suchen – ca. 30 Euro pro Person
Übernachten mit einem Fahrzeug (ca 100 stehen da gerade) eine Frauen- und eine Männertoilette, eine Stelle zum Grauwasser entsorgen – ca 70 Euro wahrscheinlich auch pro Person.
Nett oder? So teuer war ich noch nie auf einer Toilette.
Nachdem wir uns nun richtig durchgekühlt haben (es ist weiterhin saukalt) wollen wir dann aber im warmen Auto heute noch bis Alta fahren. 240 km, das ist viel.
Bis dahin.