12.-13.06. – Regentropfen und liebe Sonne
Wir hatten es ja befürchtet, der Freitag wird regnerisch und stürmisch, aber so dicke hätte es ja nun auch nicht kommen müssen, dazu die niedrige Temperatur! Nützt ja nix, da muss man durch und man geht nur aus dem Camper zum Pipimachen, Duschen und Essen kochen in der Campingplatzküche. Mehr ist dann nicht. Was bleibt ist ein Tag mit stricken, lesen, Computer, schlafen, aber das kennt man ja, ach ja und ein Iksy, kaksy, Kolme.´-Kartenspiel, bei dem ich prompt wieder verloren habe. Aber morgen, morgen soll die Sonne scheinen.
13. Juni – das Wandern ist der Wendels Lust
Das Wetter heute soll gut werden, die Temperaturen teilweise sogar zweistellig. Na mal sehen, was es werden wird, also los nach dem Frühstück.

Erstmal geht es mit dem Auto entlang der wunderschönen Küstenstraße, mit herrlichen Ausblicken. Dann den Wanderweg entlang.
Noch hängen die Wolken recht niedrig, aber das wird sich im Laufe des Tages noch ändern.
Überall sieht man noch Schnee auf den Bergen, teilweise lückenlos. Die Häuser sind bewohnt, das ist praktisch an der Stelle, denn da kann man sehen wer zu Besuch kommt und das können bei drei bewohnten Häusern ja nicht allzu viele sein.
Wir fahren die sehr kurvige Strecke rauf auf den Berg und dann wieder runter um einen kleinen Zwischenstop bei einer Informationstafel mit besonderem Ausguckhäuschen zu machen.
Bei Schlechtwetter geht man ins Aussichtshäuschen und bleibt trocken. Was Günter da guckt weiß ich nicht, aber da befindet sich eine Toilette – ohne Wasserspülung – plumps und weg.
Der Parkplatz zu unserer Wanderung ist nicht mehr weit. Rucksack ist gepackt mit allerlei unnützem Zeug, das ich noch nicht ausgepackt habe, z.b. ein Teil zum Maschenzählen beim Stricken. Ist ja vielleicht beim Wandern von Nöten.
Der Weg ist 9,5 km lang, also hin und zurück und soll in 2 bis 2 1/2 Stunden bewältigt werden. Da lach ich mich ja kaputt, die kennen uns noch nicht. Wir würden wohl doppelt so lange benötigen. Mutig geht es los, erstmal über eine Treppe. Treppe vor einem Feld oder einer Weide bedeutet immer:
da darf man rüber
und da muss man rüber
ist aber keine Treppe
Wir kommen vorbei an satten Wiesen, Strandabschnitten mit haufenweise angeschwemmtem Holz aus Sibirien. 
Mich erstaunt es immer wieder, dass das Holz so weit treiben kann. Aber auch Reste von Netzen sind zu finden.
Wasserfälle im Minutentakt

Die Übergänge sind meistens durch eine einfache Holzbrücke möglich.
oder eben auch nicht, aber alles einfach und machbar.
Nach den Wiesen kommen die Felsen. Diese wunderbare Gegend, die zum Glück noch nicht touristisch überlaufen ist und einem soviel Glücksgefühle beschert. 


Wir kommen vorbei an den Resten einstiger Fischerhütten, weit draußen hört man die Brandung vom Meer und erst jetzt wird es einem bewusst, dass wir an einer Lagune entlangwandern. 
Die Reste der Grundmauern sind tatsächlich noch zu sehen, aber etwas guter Wille ist dafür schon erforderlich. Wir sind 2 1/2 Stunden unterwegs und Günter macht an dieser Stelle kehrt, ich gehe noch ein Stück weiter und bereue diese Schritte nicht, aber etwas unruhig bin ich doch.
Da hat wohl einer versucht ein Tipi zu bauen.
Schwarzer Strand ist in Island ja nichts besonderes und doch immer wieder schön, weil so ganz anders als in unserer Gegend zuhause. Das Grüne dort im Hintergrund ist ein Fischernetz, das sich an einem Stein verfangen hat. 
Das offene Meer liegt vor mir und von hier aus sehe ich eine Stelle von der aus ich den Rückweg antreten werde. Stapavik selber ist noch ein Stück entfernt und wer dort ankommen möchte, muss den Berg rauf und das sieht mir dann doch zu anstrengend aus. Der Rückweg muss ja auch einkalkuliert werden.
Es wird so warm, dass ich einen Teil meiner Kleidung im Rucksack verstauen muss, das Halstuch wird am Rucksack befestigt und die Jacke wird um den Bauch gebunden. 15°C ist fast Hochsommer.
Hier ist Schluss mit Lustig, ich will Günter auch nicht zu lange warten lassen. Per Handy bekomme ich noch Informationen welchen Weg ich nicht zurück nehmen sollte (Günter hat sich verlaufen), wo ein bestimmter Übergang am besten zu meistern wäre und dann tschüss, das pack ich schon.
Ist das nicht noch einmal ein schöner Wanderabschluss, eine Horde Reiter (ich entschuldige mich bei allen Reitern für die Ausdrucksweise).
Wieder am Auto bin ich doch ziemlich k.o., aber ich werde trotzdem am Lenkrad sitzen. Auf dem Campingplatz merke ich erst wie kaputt ich bin, fühle mich wie eine alte Frau (wie fühlt die sich?)
Noch ein bisschen draußen in der Sonne einen Skyr genießen und nun ist es hier bereits nach 22 Uhr, das bedeutet zuhause nach Mitternacht.