15.-17. Juni – Sonne – Regen – Nationalfeiertag
Heute geht es dann zurück nach Eskifjörður und weiter zur Feldspatmine. Wir sind gespannt, was wir dort sehen werden. Es ist richtig schönes Spazierwetter, kalt, aber sonnig. 
Die Strecke zum nächsten Campingplatz machen wir erst am 16. Juni, wir sind schließlich keine Jugendlichen mehr, die sich den Tag und die Nacht um die Ohren schlagen wollen. Alles immer relaxed und mit Genuss.
Kommt man nach Eskifjörður rein, sieht man als erstes die sehr imposante Kirche. Sie bietet über 300 Personen Platz, die Gläubigen kommen aus der ganzen Umgebung. 
Die evangelisch-lutherische Kirche ist in Island Staatsreligion, also auch hier mischt der Staat mit. Das ist ja was für mich!
Neben den üblichen anderen Religionen, die verschwindend wenige Mitglieder haben, gibt es dann auch noch als staatlich anerkannte Religion die neuheidnische Religion, Ásatrúarfélagið, Religion der Germanen. Na ja ob das nun der Weisheit letzter Schluss für ein besseres Miteinander sein soll? Jedem Tierchen sein Plaisierchen.
Der erste Teil des Weges zur Doppelspatmine ist noch asphaltiert, aber bietet mal wieder eine Überraschung.
Die Reste einer alten Walfangstation sind Teil des isländischen Nationalmuseums. Weitere interessante historische Restmonumentplätze oder -maschinen finden sich überall auf der Insel und sind kartographiert. Wer will kann sich also gut informieren und wir wollen. Bis 1912 wurde diese Station betrieben und auf den alten Abbildungen kann man Kinder und Erwachsene bei der Arbeit sehen, alle mit Stolz im Gesicht. Beleuchtung und Essen waren gesichert. 

Das rostet dann so vor sich hin und nun schon seit über 100 Jahren.
Die Asphaltstraße geht über in einen Schotterweg, ein paar Kilometer auf denen man aufpassen muss mit den Reifen nicht in einem größeren Loch zu landen, ist aber harmlos. Und da isses schon, der Aufstieg zum Mineneingang.
Es sind gerade die Sehenswürdigkeiten, die nicht von jedem Touri aufgelauert werden die besonders schönen. Wir sind allein auf weiter Flur. Der Parkplatz ist eher ein kleiner Abstellplatz, aber! es gibt ein WC-Häuschen mit Wickelplatz fürs Kind.
Letzteres, den Wickelplatz, benötigen wir nicht. Es geht aufwärts, wir bleiben nur zweimal stehen, selbstverständlich weil wir die wunderschöne Umgebung genießen wollen, aus keinem anderen Grund.
Das kann ja nur bedeuten, das ich ganz schön weit abgefallen bin, aber sonst hätte es dieses schöne Foto nicht gegeben.
Da geht einem doch das Herz auf, Fjord, Berge, Klohaus und unser Camper alles auf einem Bild. Im Fjord dann noch die Lachszucht, die man in vielen Fjorden findet. Wenn ihr mal bei Lidl isländischen Lachs findet – kaufen, der ist nicht annähernd so fett wie der norwegische.
Vor dem Eingang glitzert es neben den ganz normalen Steinen, der Feldspat ist nicht zu übersehen. 
Es ist strengstens verboten sich aus dem Berg Mineralsteine abzuklopfen. Wir klopfen und bewundern mit den Augen und gehen ein kleines Stück in die Mine. Auch hier haben Kinder gearbeitet und die Tatsache, dass die Menschen früher im Allgemeinen nicht so groß waren, lässt wohl auch den niedrigen Eingang erklären.

Der isländische Doppelfeldspat (Calcit) war etwas ganz besonderes. Durch die doppelte Lichtbrechung kann man alles doppelt sehen. Die ausgezeichnete Reinheit dieses isländischen Minerals führte dazu, dass die ersten Mikroskope aus diesem Mineral hergestellt wurden. 
Rechts ist eine gesetzte Mauer zu sehen, als Stützwand kann das nicht gedient haben, im hinteren Bereich wird es noch niedriger, da müssen wir nicht hin.
Huch, hat da eine/r TUCs vergessen? So geht es gar nicht. Typisch deutsche Touris.<Scherz Ende>
Wir genießen auf einer Bank noch die Aussicht, trinken etwas und genießen unsere TUCs.
Zurück geht es vorbei wieder an der Walfangstation

Tja, wer verrät mir wofür dieses „Nur-Dach-Haus dienen soll? 
Eines meiner beiden Lieblingsschilder Einbreið Brú. Ich hab immer gesagt, das liest sich wie „einbeinige Brücke“.
Diese einspurigen Brücken finden sich abseits der wichtigsten Straßen immer noch reichlich. Auch die Ringstraße (Nr. 1) hat noch welche, aber die sollen so nach und nach in zweispurige Brücken um- oder neu gebaut werden.
Mein zweites Lieblingsschild? Geduld das kommt bei Gelegenheit. Wer es errät bekommt von mir eine Packung TUC (nur die/der Erste(r).
Wir spazieren noch einmal um die Kirche (s.o.) und schauen uns den Wasserfall an. Wild wachsender Islandmohn, in gelb und orange, flattert im Wind, ach was kann das Leben schön sein!

Das Haus wurde 1875 vom damaligen Gemeindevorsteher H.J. Beck aus Steinen der Umgebung gebaut. Der Holzanbau erfolgte später. Verfugt wurden die Steine mit Gletscherlehm – so einfach kann Hausbau sein. Vorher lebte der feine Herr in einem Torfhaus.
Direkt gegenüber dem Haus findet sich auf einem sehr großen Areal das größte Aluminiumwerk Europas, Fluch und Segen zugleich. Über 60% der isländischen Elektrizität geht in die Aluminiumfabriken von denen es 3 Werke gibt, zu einem weitaus günstigeren Preis als die Bevölkerung diese bekommen kann. Dafür sind aber auch sehr sehr viele Arbeitsplätze entstanden. Das Bauxid für die Produktion wird aus Australien und Brasilien hierher geschifft. Sollte man mal darüber nachdenken, wenn man Alufolie verwendet? 
Ich liebe Streetart und diese hier sind von ganz besonderer Güte.

Noch eine Nacht in Reyðarfjörðar, morgen werden wir einen Gang durch den Ort machen, den Wasserfall besichtigen und das geniale kleine Café aufsuchen. Die isländischen Gebäckteile sind vergleichbar mit den dänischen – vor allem süß. 
Besser wir messen nach unserer Rückkehr im Juli nicht den Blutzuckerspiegel, aber vielleicht haben wir diese ungesunden, leckeren, süchtigmachenden Teile bis dahin ja abgewandert. Es gibt immer die Möglichkeit sich kostenlos ein Glas Wasser zu nehmen und einmal Refill vom Kaffee. Ich glaube nicht, dass die Betreiber dadurch arm werden, die deutschen im Übrigen auch nicht. Sollte Schule machen.

Ein Ort – zwei Kirchen, wie sie unterschiedlich gar nicht sein können. An einem der Gebäude neben der Holzkirche stand noch ein orthodoxes Kreuz.
Zum Abschluss noch ein Spaziergang am Búðaráfoss.
Es ist wirklich nur ein Spaziergang, der Weg mäßig ansteigend. 
Wir treffen isländische Schüler, die bei der Pflege der Wege behilflich sind, natürlich gegen Bezahlung. Diese Schüler finden sich in der Ferienzeit überwiegend auch an den Kassen der Lebensmittelgeschäfte. Fast 3 Monate bleiben den Schülern, um ihr Taschengeld aufzubessern
Ist doch ein schöner Platz, wegen Überfüllung geschlossen ist er jedenfalls nicht.
Auf der weiteren Fahrt entscheiden wir uns mehrheitlich für den Campingplatz Fossardalur, vorher noch ein Stop sowie waten durch morastisches Gebiet und ja ok, war nett, aber wir müssen weiter, ich muss mal (upps!)

In Fossardalur erwartet uns dann wieder allerbestes Traumwetter
Das Gebäude, verkleidet mit Wellblech, ist noch das selbe wie vor vier Jahren, die Betreiber haben gewechselt, aber der Platz hat immer noch seinen ganz besonderen Reiz,
So kann man es doch aushalten, die Stühle werden vor den Wagen gestellt und ich schlafe sogar darauf ein, Chance auf Sonnenbrand, zumindest für die Nase.
Die kommenden zwei Tage ist Regen angesagt, mal sehen, ob das so bleibt, dann gibt es eben später wieder schöne Bilder. Es ist immer noch sehr kalt und wir kuscheln uns tapfer bei Temperaturen fast an der Null-Grad-Grenze mit beiden Wolldecken oben unterm Aufstelldach aneinander. Wollsocken für die Nacht inbegriffen.
Ach ja -til hamingju Ìsland – 82 Jahre unabhängig von Dänemark. Heute am 17.6. ist Nationalfeiertag.