04.- 06.07. – Zurück auf dem Weg gen Norden

Samstag den 4. Juli fahren wir wieder bis Burðadalur. Wir muten uns nie zuviele Kilometer zu und sind somit auch immer rechtzeitig auf den Plätzen um noch einen Platz für unseren Bulli zu bekommen. 
Wer weiß wann und wofür man dieses Gebäude noch einmal gebrauchen kann. Bloß nichts abreißen oder wegwerfen, wird sich schon was finden.
Wie ein Perlenkette liegen diese Lavabrocken am Strand. Soviel wie wir insgesamt mit dem Bulli unterwegs sind, so oft finden sich ähnliche Bilder und immer wieder sind wir überrascht und freuen uns.
So’n bisschen müssen wir dann aber doch noch wandern oder spazieren.
Bei Flòkalundur gibt es eine ganz bezaubernde Schlucht direkt neben der Straße. Aussteigen und….oh Schreck, Mückenplage. Echte Norddeutsche haben gegen Mücken Moskitonetze dabei und sieht es auch noch so blöd aus, es hilft. 
Eine Formation wie eine Wand, wenn die man nicht irgendwann umfällt. 
Ja, die Jacke ist durchaus noch angebracht, so schön wie es aussieht, der Wind ist noch kalt. Wir sind nach diesem Wetter „auf und ab“ aber langsam abgebrüht,.

Hurra! Sumartimí
Wenn es nicht soviele Mücken in Flókalundur gegeben hätte, wären wir vielleicht dort auf dem CP geblieben und wären dann auch noch weiter an der Schlucht entlang gelaufen. 
Aber nix da, es geht weiter
Was uns bei der Ankunft in Bildudalur auf dem CP erwartet, verschlägt uns die Sprache. Mit Ach und ohne Krach bekommen wir noch einen Platz. Was wir nicht wussten, es ist Bæjarhátið, Dorffest, mit viel lauter Musik bis nach Mitternacht. Schlafen? Na ja geht so. Mitmachen? Nein, wir fühlen uns jetzt schon auf dem Platz wie Eindringlinge, sind zudem eng an eng mit weiteren Übernachtungsgästen gestellt. Mitmachen beim Dorffest? Keine Option für uns.
5. Juli – die Riesin Kola hat ein gutes Werk getan – Kolugljúfur
Um dorthin zu kommen nehmen wir zunächst eine Strecke, die zwar geschottert, aber gut zu fahren ist. Rechts und links satte Wiesen, rechts wie abgeschirmt durch eine sehr gleichmäßige Bergkette, die aussieht wie ein zu groß geratener Deich. Man wundert sich wie einsam so manche Höfe liegen und dann plötzlich das:
keine natürliche irgendwas, ja wie soll man das nennen? ausgebaggert, aber irgendwie total irre.
Wir sind da, der Kólugljúfur, schon wieder Schotter mit Löchern und „einbeinigen Brücken“, hat sich auf alle Fälle gelohnt. Die Schlucht ist etwa 1 km lang und 40 – 50 m tief. Der Sage nach hat die Riesin Kola diese Schlucht gegraben. Muss man schon sagen, hat sie gut gemacht. Ein Danke an sie. 
Vor ein paar Jahren waren wir hier fast alleine. Eine kleine PKW Stellfläche ist geschaffen, aber noch immer kein Toilettenhäuschen.
Ne ne, nicht heiß,
sondern soviel wie Stop oder Achtung. Nicht umsonst stehen diese Schilder an den gefährlichen Stellen, was die „neun-mal-Klugen“ aber oft nicht abhält sich dennoch in Gefahr zu begeben.
Wir sind vorsichtig und merken aber doch, an welcher Stelle für uns „Feierabend“ ist. 
Geländer zum Festhalten gibt es nicht, da kann man nur auf geeignete Riesensteine hoffen.
Bei dem Bild denk ich an „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ von Johannes Mario Simmel. Der Autor schlechthin vor etwa 50 Jahren. 
Irgendwo, nicht weit entfernt, gibt es einen natürlichen Hotpot, den Kolaketill (Kolas Kessel), in dem hat die Riesin Kola ihre gefangenen Lachse gekocht. Vielleicht ist der inzwischen versiegt oder eines der wirklichen Geheimnisse.
Ach ja und es gibt noch einmal Schotter auf dem Weg zum „Pferd im Wasser“. Hvitserkur heißt soviel wie Weiß angezogen, hier dann weiß besch…Es ist die Heimstatt etlicher Möwen. 
Wer kennt das Bild nicht von seinem Windows Bildschirmschoner. Beim Bildschirmschoner joggt eine junge Dame auf dem Sandstrand davor. Haben wir noch nie dort gesehen, weder die Joggerin, noch den Strand. Wir sind hier tatsächlich immer bei Flut.
Auch hier fand eine Veränderung der Infrastruktur statt – Parkgebühr über 8 Euro, aber immerhin könnte man bis 24 Uhr bleiben, aber wer will das schon, obwohl, es wird ja nicht dunkel.
Wir umrunden die Halbinsel Vatnsnes (ausgesprochen Wasnes), die Nase im Wasser, gehen nicht zu dem Robbenschauplatz (bei Flut sind die ohnehin nicht zu sehen) Illugastaðir. Mich hätte hier vielmehr der Wohnort von Agnes Magnúsdottir, meiner Lieblingsisländerin interessiert, die vor über 200 Jahren hier gelebt hat und angeblich 2 Menschen getötet haben soll. Dass es Notwehr war, wurde erst sehr sehr viel später bei Recherchen vermutet. Unbedingt lesen „Das Seelenhaus“ von Hanna Kent, dann werdet ihr mich verstehen.
Weiter um die Halbinsel herum liegt dann auch Tjörnes mit dem Friedhof, auf dem Agnes beerdigt wurde. Vor Jahren waren wir dort, das musste sein. Mittlerweile hat man ihre Geschichte versucht touristisch zu bearbeiten, sogar den Platz, auf dem sie gehängt wurde kann man besichtigen, nur da ist nichts, absolut nichts zu sehen. Da muss wohl die Aura wirken, ich weiß es nicht.
Als dann endlich auch diese Schotterstraße in eine Asphaltstraße übergeht sind wir bald auf unserem nächsten Campingplatz Hvammstangi. Was gibt es hier? Das Museum kennen wir schon, Seehund wollen wir nicht, aber ich will Wolle, echte isländische Wolle und ich soll mir ruhig Zeit im Laden lassen. Was sind das denn für männliche Töne – ganz gefährlich, denn ich hab meine Kreditkarte dabei und ruckizucki auch eine Tüte mit wunderschöner Plötulopi (ungezwirnte Wolle).
Stück für Stück geht es weiter in den Norden und da kommt doch schwupps die Meldung rein, dass am Wochenende auf Hrisey auch ein Dorffest stattfindet. Mehr dazu aber später.
Hófsos ist für heute abend unser Übernachtungsplatz. Kleines Schwimmbad mit Blick auf den Fjord und Basaltsäulen und ein Museum, welches etwas über die isländischen Auswander erzählt. Das lohnt doch und auch hierher werden wir mal wieder kommen.
Es ist kalt draußen, sehr windig, aber immerhin trocken, Temperatur ca. 13°C, das lässt sich aushalten.
Aber nun ist erstmal genug. Morgen geht es weiter immer unserer isländischen Familie ein Stückchen näher.