24.- 28.06. – Schwefel, Elfen, Regen, Walfang
Der Donnerstag beginnt mit nicht angesagtem guten Wetter, nicht ganz sonnig, aber durchwachsen, das gefällt uns. 
Mal sehen, was sich in Seltún so getan hat nach ein paar Jahren Abstinenz. 
Überall brodelt und blubbert es, es stinkt heftig, aber man will da durch. Ein Schulklasse aus Newport (GB) kommt an (das hatten wir schon einmal) und war man bis dahin nicht auf dem WC, muss man nun lange warten.
Das kleine Gebiet ist weiter ausgebaut mit befestigten Wegen, so dass hoffentlich noch weniger Touris hinter Absperrungen klettern können. 
Außer schwefligen Schlamm kennen wir keine der Mineralien die dort vorhanden sind, aber dafür gibt es ja einen Experten in unserer Runde. Schön dass wir ihn haben.
Man sieht diese Dampfschwaden schon kilometerweit.

Schade, dass ich hier keine Videos einspielen kann (ich weiß nicht wie), ihr hättet dann die Gelegenheit die Geräusche zu hören. So muss es am Beginn der Erdentstehung gewesen sein, zumindest so ähnlich.
In San Francisco habe ich mal gelesen „Stinkin Pizza“, hier könnte man sagen Stinkin Hotpot. 
Jedes Jahr sieht es hier ein bisschen anders aus und nicht nur, weil es touristisch aufgearbeitet wird, sondern weil sich der Boden ständig verändert. 
Da gehen sie, wie die Ameisen. Vor 10 oder 9 Jahren sind meine Schwester und ich auch mal ein Stück darauf marschiert. Von unten sieht es aber auch ganz gut aus.
Grindavik
Die Stadt, die es vor 2 Jahren besonders hart getroffen hat. Mehrere Ausbrüche und Erdbeben haben die Stadt lahmgelegt und leer gefegt. Viele der Häuser sind noch immer unbewohnt und werden es wohl auch bleiben. Es war immer bekannt, dass die Stadt auf einem unterirdischen Magmastrom liegt. Es war nur eine Frage der Zeit.
Die Freiluftausstellung, die genau hinter einem ehemaligen entstandenem Erdloch zu sehen ist, erschüttert und bedrückt.
Straßen sind wieder hergestellt oder umgeleitet, es gibt wieder Leben in Grindavik. Bei uns in Deutschland würde das Jahrzehnte dauern (Ahrtal) bis dann endlich mal Genehmigungen erteilt würden. Hier geht es schnell und unpragmatisch. Es muss geholfen werden und es wird geholfen, nicht erst Jahre später.
Beim Rausfahren aus der Stadt nehmen wir die Strecke an der Blauen Lagune vorbei. Wir sehen die riesigen Erdwälle, die der Lava Einhalt gebieten sollten und wir sehen die unendlich erscheinenden Lavamassen. Die armen Menschen, was mussten sie ertragen.

Kleine Menschen in großer Lava
Bei Papas Pizza und Fish ´n Chips gehen wir Essen. Geschmeckt hat es uns nicht wirklich, aber wir haben die Menschen unterstützt – denken wir zumindest.
Hveragerði
Hveragerði ist die Elfenstadt. Man kann hier einen Elfenkurs besuchen oder eben Ruth eine Bekannte von Westmannaeyjar. Aber die Heimstatt der Elfen ist schon wunderschön angelegt und wehe man würde sie stören, also schön brav auf den angelegten Wegen bleiben.
Ich habe einen Elf gesehen – Hurra endlich.
Hierher kommen wir gerne mal wieder.
Eigentlich schade, dass wir diesen wunderschönen Ort verlassen. Hier bleiben ist keine Option, weil die wenigen Stellplätze bereits alle ausgebucht sind für die nächsten Tage.
Durchs Nesjavellir nach Kjós
Ab ganz so einfach wollen wir die Fahrt dorthin nicht machen. Man kann nach 50 km dort sein, oder aber auch 120 km. Wir? Natürlich die 120 km und damit auch die schönere Strecke, bei Sonne wäre sie superschön.
Nesjavellir ist ein Geothermalgebiet, dass der gesamten Umgebung heißes Wasser liefert. Die Strecke ist landschaftlich wunderschön. Erst geht es einmal durch ein fades Gebiet, bis sich dann die Felsen zeigen. Mal 15% Steigung, mal das gleiche wieder abwärts, um dann nochmals wieder mit 15% Steigung hinauf zu fahren.
Diese Strecke war ein Wunsch von mir, da sie vor ein paar Jahren mit Günters Enkelin Sophie total verregnet war und heute?Wieder total verregnet, nichts mit Wanderung. Der Wille war da, ehrlich.
Eine kilometerlange Heißwasserleitung begleitet uns bis wir links am Þingvallavatn vorbeifahren und definitiv sagen können, dieser Weg war die richtige Wahl.
Mottakas, Ausweichstellen, auf der einspurigen Strecke. Noch ein paar Kilometer und wir sind in Kjós.
Drei Tage in Kjós auf einem gut ausgestatteten Campingplatz abwettern, einfach so mal dabeibleiben und sich wundern, dass dann doch ab und an die Sonne am Himmel erscheint. 
In Kjós gelandet, hätte uns schlimmer treffen können. Bei der Anmeldung wollten uns Hermann und Birna gar nicht glauben, dass wir gleich 3 Tage bleiben wollten. Das isländische Wetterinstitut hat allerdings 3 Tage „Sauwetter“ vorhergesagt und da bringt auch der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ nicht wirklich Freude. Das passt ganz gut, denn Sonntag sind wir auf eine Stipvisite bei Silke am Hvalfjörður angemeldet und dann soll sich das Wetter auch mal wieder für einen Tag beruhigen.
Der Campingplatz hat einen sehr großen gemütlichen Aufenthaltsraum und Mann ist beruhigt, denn das Internet funktioniert einwandfrei. Ach ja und für den Abend soll ja Deutschland gegen Ägypten spielen, das auf einer großen Leinwand übertragen wird. Passt kann man sagen.
Wieso heißt ein Isländer Hermann? Hermanns Mutter war eine der Esjafrauen, die Ende der 40er von Lübeck aus nach Island „gelockt“ wurden, um dort vor allem in der Landwirtschaft zu helfen. Hintergründlich wohl auch, um die Chance der Blutauffrischung zu nutzen. Hat ja auch in vielen Fällen geholfen. Hermanns Mutter Helga kam aus Lübeck. Leider hat sie ihm kein deutsch beigebracht. Das Buch „Frauen, Fische, Fjorde“ von Anne Siegel gibt hierzu gute Auskunft.
Das hat ein bestimmt ein Opa für seine Enkel erstellt. Putzig. Ein Opa heißt auf isländisch Afi, das hab ich noch nie aussprechen gehört. Ömma, ausgesprochen Amma ist die Oma und Mamma und Pabbi ist klar. 
Eigentumssicherung gegen Sturm auf isländisch.
Sonntag fahren wir weiter 
Wieder einmal nehmen wir, nach dem Besuch bei Silke, die schönere, aber auch längere Strecke und entscheiden uns kurzfristig in Akranes zu bleiben. Wir müssen einkaufen, der Kühlschrank ist nicht so sehr groß. Die sportliche Herausforderung heute bestand aus dem Spaziergang zum Bonus (Einkaufszentrum) und wieder zurück. Wunderbar, dass ich mein isländisch anwenden kann und die junge Frau an der Anmeldung freut sich sichtlich. 
Walfang
Am Hvalfjörður entlang kann man neben landschaftlich schönen Stellen auch die Walfangstation und das größte Aluminiumwerk in Island sehen. Dann noch die Stelle, an der während des Krieges die Amerikaner und Briten ihre Lager und Unterkünfte hatten.
Seit wenigen Tagen ist in Island wieder Walfang gestattet, für den Finnwal. Ein Milliardär hat es geschafft jemandem vom Parlament wohlwollend diese Genehmigung abzuringen. Geld regiert auch Island. Dieser Mensch macht keinen Gewinn mit dem Fang, hat nicht genügend Abnehmer für das Fleisch und seine Mitarbeiter gebärden sich wie die Barbaren.
Bei einem getöteten Tier hat man beim Ausnehmen festgestellt, dass es ein Muttertier war und musste das Kalb schnell entsorgen. Nicht schnell genug, denn es wurde beobachtet. Ein weiteres Tier wurde wie eine Trophäe von den Mitarbeitern gefeiert, den Penis vor sich hinwedelnd mit der Nationalhymne im Hintergrund und Hand auf dem Herz der Mitarbeiter, es gibt einen Film dazu. Ekelhaft. Mittlerweile ist der Fang für ein paar Tage ausgesetzt, dennoch fährt man raus, sozusagen in Wartestellung. Es werden dem Eigner etliche Verstöße vorgeworfen.
Schlimm was man diesen wunderschönen Tieren antut und wo für, nur um das eigene Ego zu befriedigen. Finnwale gelten weltweit als gefährdet, das macht es umso schlimmer. 
Da fahren sie gerade wieder raus und man bekommt Wut im Bauch.
Also besser Pause machen und abreagieren.